Die Integration beinhaltet die Gefahr, daß sich dieser Konzentra­ tionsprozeß in Liechtenstein weiter verschärfen wird. An erster Stelle sei auf die wahrscheinliche Zunahme der Betriebskonzentration hin­ gewiesen. Der infolge des Abbaus von Handelsschranken auftretende größere Wettbewerb hat zur Folge, daß nur Unternehmen von einer gewissen Größe die Vorteile der Integration voll ausnützen können. Nur sie sind in der Lage, die erforderlichen Investitionen zu tätigen und neue technische Verfahren zu realisieren.32 Die großen Unter­ nehmen werden die Produktionsfaktoren anziehen, ihre Bedeutung für die Wirtschaft nimmt verhältnismäßig zu, währenddem kleinere Unternehmen zunehmend auf Schwierigkeiten stoßen, ihre Arbeits­ kräfte zu halten und Kapital für ihre Investitionen zu finden. Damit verbunden ist eine noch stärkere Branchen- und Sektorenkonzentra­ tion in Liechtenstein. Es werden in erster Linie die exportorientierten Wirtschaftszweige sein, wie die metallverarbeitende Industrie, die unmittelbar vom Abbau der Handelshemmnisse profitieren. Die liech­ tensteinische Landwirtschaft und das Gewerbe, die keinen großen und direkten Nutzen aus der Beseitigung von Handelsschranken zie­ hen, haben wegen der tendenziell zunehmenden Nachfrage nach Arbeit und Kapital durch die Exportindustrie höhere Faktorenpreise zu zahlen, werden also benachteiligt. Für Liechtenstein bringt der europäische Zusammenschluß eine wei­ tere Gefahr, die Risikokonzentration. Sie wächst mit zunehmender Branchen- und Betriebskonzentration. Eine Krise in der metallver­ arbeitenden Industrie würde große Teile der liechtensteinischen Volks­ wirtschaft in Mitleidenschaft ziehen. 31.3 Die Auswirkungen auf den Tertiärsektor Der tertiäre Wirtschaftssektor gewann im Laufe der letzten Jahre zunehmende Bedeutung für die liechtensteinische Wirtschaft. Wäh­ renddem 1950 rund 27% aller Erwerbstätigen im Tertiärsektor arbei­ teten, waren es 1960 bereits 31% und 1970 rund 38 %.33 Handel, Banken, Versicherungen, Verleih und Vertretung sowie die Fremden­ verkehrsindustrie trugen den Hauptanteil zu dieser Ausdehnung des Dienstleistungssektors in Liechtenstein bei. Eine zentrale Rolle fiel dabei dem Tourismus zu. Die Gastankünfte stiegen von 1955 bis 1973 von rund 20 000 auf über 75 000 und die Logiernächte von 45 000 auf 175 000.34 Doch auch die Bankbranche erlebte einen großen Auf­ 32 Vgl. dazu etwa Schumpeter J., Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie, 2. Aufl., München 1950, S. 146. 33 Fürstentum Liechtenstein, Statistisches Tabellenwerk 1973, S. 52. 34 Fürstentum Liechtenstein, Fremdenverkehrsstatistik 1973, S. 100. 115 8*
        

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