alt.14 Wegen der sehr starken Parzellierung hat diese Entwicklung sicher einen positiven Aspekt. Sie führt jedoch besonders in Berg­ gebieten zur Sozialbrache. Daraus resultiert eine ernsthafte Gefähr­ dung der Kontinuität der Landschaftspflege in den touristisch wich­ tigen Alpenregionen. Auch ohne Berücksichtigung der Auswirkungen einer allfälligen Beteiligung Liechtensteins am gemeinschaftlichen Agrarmarkt stellt sich heute die Frage, ob die Landwirtschaft Liech­ tensteins die ihr gesamtwirtschaftlich zufallenden Aufgaben15 noch erfüllen kann. Welches wären die Konsequenzen einer Übernahme der EG-Agrar­ politik für die liechtensteinische Landwirtschaft? Das EG-Agrarkon- zept unterscheidet sich grundlegend vom liechtensteinischen. Wäh­ renddem Liechtenstein zusammen mit der Schweiz die nationale Er­ füllung der agrarpolitischen Aufgaben anstrebt, bezieht sich die EG- Politik auf den gesamten EG-Raum und nicht auf einzelne Mitglie­ der.16 Die Übernahme der EG-Agrarordnung zum heutigen Zeitpunkt hätte wegen der natürlichen Produktionsbedingungen für Liechten­ stein eine Verlagerung zur tierischen Produktion zur Folge. Deshalb könnte die Versorgung mit andern landwirtschaftlichen Erzeugnissen aus eigener Produktion zu einem geringeren Ausmaße sichergestellt werden als ohne Übernahme der Agrarordnung. Auf der heutigen Integrationsstufe hätte Liechtenstein besonders auch negative Konsequenzen aus der einseitigen Orientierung der EG- Landwirtschaftspolitik an betriebswirtschaftlich-ökonomischen Kri­ terien17 zu befürchten. Durch Betriebszusammenlegungen wird ver­ sucht, die landwirtschaftliche Erwerbsbevölkerung in der EG zu ver­ mindern und betriebswirtschaftlich vorteilhaftere Produktionsein­ heiten zu schaffen. Berggebiete wären von dieser Politik besonders betroffen. Die steigenden Lohnkosten verbunden mit sinkenden Agrar- preisen (vgl. den folgenden Abschnitt) entzögen der alpinen und vor­ alpinen Landwirtschaft ihre Existenzgrundlage. Gerade jene liechten- 14 Fürstentum Liechtenstein, Landwirtschaftszählung 1969, S. 55. 15 Dazu gehört die Sicherstellung der Landesversorgung in Kriegs- und Krisen­ zeiten, die Produktion von preisgünstigen und qualitativ hochwertigen Nah­ rungsmitteln sowie die Landschaftspflege. 16 Vgl. Cartou L., Europäische Organisationen, Freudenstadt 1967, S. B I 120 ff. 17 Es darf angenommen werden, daß zu einem späteren Zeitpunkt die EG-Agrar­ ordnung verbessert werden wird. Man ist sich der bestehenden Mängel voll bewußt und bemüht sich, die Probleme der Oberproduktion, der Einkommens­ disparität, der Umweltpflege etc. zu meistern. (Vgl. Memorandum zur Reform der Landwirtschaft in der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft, Sonderbei­ lage zum Bull. EG 1/1969.) Ob es jedoch gelingt, das europäische Landwirt­ schaftsproblem zu lösen, ist solange zweifelhaft, als nicht die Landwirte zu wirtschaftlich und ökologisch vertretbaren Lösungen Hand bieten und davon Abstand nehmen, ihre veralteten, aber liebgewonnenen Strukturen mittels Be­ einflussung der politischen Entscheidungsträger zu erhalten. 108
        

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