Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
3
Erscheinungsjahr:
1973
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000000075/97/
Hinführung seiner Einwohner zu innerer Beschäftigung dank seiner Kleinheit und Uberschaubarkeit die Möglichkeit, zum Modell zu werden. Kaum in einem anderen Land ist der Initiative des Einzel­ nen so viel Raum gegeben wie hier. Das Kleintheater in Schaan, das innerhalb einer kurzen Zeitspanne zum kulturellen Mittelpunkt einer ganzen Region wurde, ist ein bedeutender Beginn. Soll dieser Beginn zum Bleibenden werden, müssen Land und Industrie die materielle Sicherstellung ideeller Institutionen vermehrt gewähren. Die eigent­ liche Trägerschaft aber müßte in einer durch die Schule vorgebildeten Bevölkerung liegen, die in Konzert und Theater mehr zu sehen im­ stande ist, als ein bloßer Zeitvertreib einiger Liebhaber. Ein Gebäude, in welchem die fürstlichen und staatlichen Kunstsammlungen gezeigt werden können, müßte mehr sein, als ein Renommierobjekt trink­ geldsüchtiger Fremdenführer. Kunst als Verpflichtung und Kristalli­ sationspunkt eigener Persönlichkeitsbildung und Sich-Findens. Ich glaube, Liechtenstein hätte die echten Möglichkeiten, zu einer «Pädagogischen Provinz» zu werden. Allerdings würden dabei Jahre oder auch Jahrzehnte der Anstrengung vergehen. Materielle Opfer müßten gebracht werden, ohne dabei die Erfordernisse der anderen Aufgabenbereiche des Staates im Lande selbst, in der Außenpolitik und der Dritten Welt gegenüber zu vernachlässigen, Opfer allerdings, die vielleicht doch mehr vom Einzelnen als vom Staat selbst verlangt werden müssen. Sich jedoch absetzen vom herrschenden Materialis­ mus, und sei es auch unter persönlichen Opfern, ist die einzige Mög­ lichkeit, jenem ungeheuren Druck von außen standzuhalten, der heute unser Land vielleicht mehr bedroht, als zur Zeit des Zweiten Welt­ krieges es die politischen Ereignisse an unseren Grenzen getan haben. Damals war man sich unter dem äußeren und inneren Druck einig, die Existenz unseres Staates zu verteidigen. Heute ist die Bedrohung nicht mehr so deutlich zu spüren; sie liegt in der Umkehrung der menschlichen Werte zur äußeren Leistung. Ihr entgegenzuwirken, indem wir unser Land nicht zu einem Jahrmarkts-Panoptikum für durchreisende Touristen werden lassen, sondern zu einem wirklichen und gelebten Refugium der Kultur gestalten, müßte — ohne daß wir dabei die gewaltigen Möglichkeiten der heutigen Technik lebensfremd negieren — die vornehmste und wichtigste Aufgabe nicht allein des Staates, sondern von uns allen sein. 97
        

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