Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
3
Erscheinungsjahr:
1973
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000000075/96/
Liechtenstein — eine pädagogische Provinz? Harald Wanger Geboren 1933 • Lehrer • Schaan, Fürst-Johannes-Straße 232. Die Grundprobleme einer neuen Gesellschaft sind heute mehr oder weniger überall die gleichen; je kleiner jedoch der Staat ist, um so gedrängter und überschaubarer werden sie. Dies könnte die eigent­ liche zukunftsweisende große Chance des Kleinststaates sein: Modell der Menschlichkeit zu werden in unserem Zeitalter der Statistiken und Automation, entgegenzuwirken dem immer mehr überhandneh­ menden Materialismus — auch dem Bildungsmaterialismus — durch Persönlichkeitsbildung, die vor allem auf der steten Entwicklung der geistigen, ideellen Kräfte eines Menschen beruht. Gerade in unserem von Wohlstand und Materialismus geprägten Zeitalter wäre es eine der dringendsten Aufgaben unseres Staates, dem Verlust unserer geistigen und ideellen Werte als der großen Gefahr der westlichen Welt positive geistige Kräfte entgegenzusetzen. Dies kann von staat­ licher Seite durch zwei Komponenten geschehen: durch die Schule und durch bestehende oder noch zu gründende kulturelle Institutionen. Scheint aber nicht gerade in unseren Schulen eine Einsicht in diesen Belangen zu fehlen? Das hektische Suchen nach Neuerungen zielt zum größten Teil auf die Ausbildung zeitgemäßer Arbeitskräfte, wobei ein immer kleiner werdendes Muß an Allgemeinbildung höch­ stens noch als Tünche fungiert. Produktion von «Humankapital», «Ar­ beitsware» zum Gedeihen des Profits in Wirtschaft und Staat, also rein materialistische, wenn auch notwendige Zukunftsprogramme, beherrschen die Ausbildung und lassen die eigentliche Erziehung und Bildung auch in unserem Land auf einen unbedeutenden Rest zusam­ menschmelzen. Es genügt nicht, wenn eine gut geführte Musikschule in Verbindung mit einsichtsvollen Eltern versucht, das Fehlen einer allgemeinen Musikerziehung in unseren Schulen wettzumachen. Es genügt auch nicht, wenn in unserem bedeutendsten kulturellen Zen­ trum, dem «Theater am Kirchplatz» in Schaan, periodisch Schüler­ vorstellungen verschiedenster Art organisiert werden, so lange in einer vom Bildungsmaterialismus geprägten Schule die gesamte musi­ sche Erziehung nur am Rande — wenn überhaupt! — vegetiert. Unsere Gegenwart krankt allgemein an der Seinsvergessenheit. Sie verkennt, daß die unersetzlichen Gehalte innerer Werte angeeignet sein müssen als Grundlage eines verantwortlichen Wirkens in der Gemeinschaft. Aber auch außerhalb der Schule hätte der Staat Liechtenstein in der 96
        

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