Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
3
Erscheinungsjahr:
1973
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000000075/91/
keit erreicht hat, ist allerdings die Frage berechtigt und notwendig, wie diese von innen so stark weiter zu festigen sind, daß sie auch einer Krise von außen standhalten könnten. Die Frage nach dem, was Liechtenstein sein könnte — und wohl sein sollte — ist also in einem richtigen und wichtigen Augenblick gestellt. Ich sehe zwei Ansatzpunkte für eine verstärkte kulturelle Entwick­ lung dieses Landes: Einerseits ist eine Anknüpfung möglich an die intellektuelle Oberschicht unter Ausnutzung der vielfältigen bereits bestehenden Beziehungen. Da käme in Frage, daß man wissenschaft­ liche oder künstlerische Gesellschaften veranlaßt, ihren Sitz hierher zu verlegen, daß man Kongresse hier veranstaltet, oder in zunehmen­ dem Maße internationale Organisationen einlädt, hier zu tagen. Die andere Möglichkeit sehe ich darin, das Augenmerk vorwiegend auf die junge und jüngste Generation zu richten, mit großer Sorgfalt und Überlegung ihre Ausbildung zu planen und zu überwachen und auf diese Art das allgemeine intellektuelle Niveau mit einer neuorientier­ ten Lebenseinstellung und Schaffenskraft anzuheben — sozusagen ein Aufbau von unten. Die beiden Modelle brauchen einander nicht auszuschließen; jedoch glaube ich, daß aus praktischen Gründen — personellen und finan­ ziellen — nicht beide gleichzeitig in Angriff genommen werden kön­ nen. Falls es isoliert durchgeführt werden sollte, sähe ich im ersten Modell, über das ja schon viel und wohl Konkretes gesagt wurde, Gefahren für die allgemeine Entwicklung des Landes, da nur ein sehr kleiner Teil der Bevölkerung daran teilnehmen könnte und sich der weitaus größere befremdet und zu Recht vernachlässigt vorkäme. Dabei gebe ich zu, daß mit diesem Modell schneller Ansehen auf in­ ternationaler Ebene gewonnen werden könnte und daß die Arbeit für alle, die daran beteiligt sind, von großem Gewinn wäre. Trotzdem interessiert mich im Hinblick auf die Zukunft die zweite Möglichkeit mehr und ich möchte mir hierzu noch ein paar Gedanken machen, die an den anfangs festgestellten Punkten anknüpfen. Ich möchte allerdings lediglich einige Probleme andeuten und Fragen stellen — die Antworten müssen von berufener Seite gegeben werden. Da war als erstes der sehr deutliche Unterschied zwischen den Gene­ rationen, der sich vielleicht weniger vehement als andernorts aus­ trägt, der aber nicht weniger fundamental ist. Die Jugend hat sich innerlich und teilweise äußerlich von der Welt ihrer Vorfahren ent­ fernt, die bäuerliche Tradition und Kultur ist fast vollständig und endgültig verschwunden. Ist hier etwas Neues entgegengesetzt wor­ den, was die nächsten Generationen trägt? Sind sich die Eltern, die Schulen und die kulturellen und politischen Behörden dieses 
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