Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
3
Erscheinungsjahr:
1973
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000000075/85/
hatte und in seinen Weiterbildungen bis ins 19. Jahrhundert hinein das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben kennzeichnete, war der alte, auf dem Blutsverband der Sippe beruhende Genossenschafts­ gedanke immer lebendig geblieben. Allerdings war es seit der Karo­ lingerzeit nicht mehr die Sippe, sondern der Nachbarschaftsverband, in dem sich der Genossenschaftsgedanke konkretisierte. Die zahl­ reichen gemeinschaftlichen Nutzungsrechte an Wald, Weide und Ge­ wässern und die Verpflichtungen zu Anlage und Unterhalt von Wegen und Straßen, Abwehr von Wassergefahr, die Haltung von Zuchttieren und gemeinsamen Hirten u. a. m. machten eine gemein­ same Regelung notwendig. Auch die Arbeiten auf dem Felde mußten genossenschaftlich geregelt werden. Neben der Abhängigkeit vom Landesherrn war es also diese Wirtschaftsform, die die Bauern in einen Genossenschaftsverband gleichberechtigt zusammenführte. In Liechtenstein bestanden neben den Gerichtsgemeinden der beiden Landschaften die ursprünglich auf rein wirtschaftlicher Basis be­ ruhenden Vereinigungen des Dorfverbandes, die sogenannten «Nach­ barschaften». Aus ihnen entstanden erst im letzten Jahrhundert die politischen Gemeinden. Der alten Nachbarschaft mit ihren genossen­ schaftlichen Aufgaben (Bewirtschaftung des Vermögens, Anlage und Unterhalt von Wegen, Dorfstraßen, Brücken, Wasserversorgung, Flurwachtdienste, Festlegung der Benützung des Gemeindebodens, der Viehweiden und Alpen usw.) wurden neue politische Aufgaben übertragen, die für den Staat zu leisten waren (Steueranlage, Durch­ führung seuchenpolizeilicher Vorschriften, Wahlen und Abstimmun­ gen usw.). Neben Alpen und Wäldern war auch der weitaus größte Teil des Talbodens bis ins 19. Jahrhundert hinein Gemeineigentum, an dem der einzelne Bürger lediglich den Nutzgenuß hatte. Es gab nur wenig Privateigentum. Allerdings stellte diese alte Ordnung keinen Agrar- kommunismus dar. Der einzelne Bauer wirtschaftete mit seiner eige­ nen Hoftstätte, mit etwas Eigengut und grundherrlichem Land, vor allem aber mit dem Nutzungsanteil an den Gemeinheiten. Das ge­ meinsame Wirtschaften, die herrschaftlichen Fronen, das Gemeinds­ werk und die feste Bindung an Landes-, Gerichts- und Grundherr­ schaft schlössen die Landesbewohner fest zu einem Untertanen- und Genossenschaftsverband zusammen. Das Zusammengehörigkeits­ gefühl und der Sinn für die Interessen der Gemeinschaft waren stark entwickelt. Im Verlaufe des 19. Jahrhunderts zerschmetterten neue Ideen die jahrhundertealte Ordnung. Der neuen Bewegung mußten die alten feudalen, herrschaftlichen Strukturen, aber auch die genossenschaft­ 85
        

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