Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
3
Erscheinungsjahr:
1973
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000000075/84/
Modell einer Friedensordnung (2) dienen. Von ihm wäre «Solidarität mit den Kleinen in der Welt, mit den Minderheiten, den wirtschaft­ lich bedürftigen Völkern und jenen, die auch um ihre Freiheit und Unabhängigkeit ringen» in besonderem Maß zu erwarten (3). Und schließlich stünde dieser Kleinstaat in ständiger wirtschaftlicher, geistiger und kultureller Kommunikation mit der Außenwelt (4). Wären dem liechtensteinischen Staat diese vier Strukturelemente in besonderem Maße eigen, so würde er tatsächlich eine Besonderheit darstellen; eine Besonderheit, die von der Umwelt geschätzt, geachtet und in ihrem Selbstwert anerkannt und erhalten werden könnte. In Wirklichkeit ist unser Land noch weit davon entfernt, der eben skizzierten Idealvorstellung von einem Kleinstaat nur einigermaßen zu entsprechen. Für diese Tatsache gibt es viele Gründe. Ich möchte im folgenden, ausgehend von der Entstehung Liechtensteins, ledig­ lich einen, mir besonders wichtig erscheinenden Mangel der heutigen liechtensteinischen Lebensgemeinschaft aufzeigen. Die Entstehung unseres Landes in seinen heutigen Grenzen ist zu­ rückzuführen auf den allmählichen Zerfall der Zentralgewalt und die Zersplitterung der fränkischen Gauverfassung und des Lehen­ wesens seit dem 10. Jahrhundert. Auf dem Boden der alten Graf­ schaft Unterrätien bildeten sich verschiedene Souveränitäten. Es konnten sich Landesherrschaften ausgestalten. Eine dieser Landesherr­ schaften war das heutige Liechtenstein. Die reichsunmittelbaren Landesherren besaßen ausgeprägte Hoheitsrechte. Sie übten die Ge­ richtsherrschaft über die Bewohner aus, erhoben Steuern, boten zum Kriegsdienst auf und nutzten eine ganze Reihe von Regalien (Jagd, Fischerei, Hochwälder, Zölle u. a. m.). Als Grundherren hatten sie das Herreneigentum an einem Großteil des landwirtschaftlich nutz­ baren Bodens und den darauf hausenden Menschen. Landes-, Ge­ richts- und Grundherrschaft und die daraus erwachsenden Bindun­ gen und Verpflichtungen bauten die ständischen Unterschiede unter den Landesbewohnern allmählich ab. Alle gerieten sie in ein Abhän­ gigkeitsverhältnis zum Landesherrn und bildeten einen Untertanen­ verband. Die gemeinsamen Bindungen an den Landesherrn waren Voraussetzung für die Entstehung der beiden Gerichtsgemeinden Vaduz und Schellenberg. Diese Gemeinden sicherten sich im Laufe der Zeit eigene Rechte und erlangten weitgehende Selbstverwaltung. Es waren die Landesherren, die die Bewohner an sich und an das Territorium ketteten und dadurch auch untereinander zu einer Lebens- und Schicksalsgemeinschaft verbanden. Neben dem Herrschaftsgedanken, der im Mittelalter in der Grund-, Leib-, Schutz- und Gerichtsherrschaft seine Ausprägung erfahren 84
        

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