Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
3
Erscheinungsjahr:
1973
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000000075/80/
ist, eine Alternative zu den Lösungen in Österreich und in der Schweiz offen bleiben könnte, die zu wählen für das Land verheißungsvoller wäre — zum Beispiel im Schulwesen, beim Spitalbau, in Verkehrs­ fragen, in bezug auf die Rechte der Ausländer. Wir haben eben ein imposantes neues Gymnasiumgebäude beziehen können. Es hält baulich und ausstattungsmäßig den Vergleich mit benachbarten entsprechenden Schulbauten sicherlich aus. Die Frage ist nur, ob wir in diesem Bau ein herkömmliches Gymnasium betrei­ ben müssen. Auch wenn wir es in den nächsten Jahren weit bringen, schaffen wir allenfalls einen lateinlosen Schultyp eher technischer Ausrichtung. Schon heute aber gibt es in Sargans zwei, in Feldkirch einen Schultypus mehr, als wir dann haben werden. Vermutlich wer­ den wir es nie zum «Gleichziehen» bringen. Und Sargans hat seit der Einführung des Wirtschaftsgymnasiums wahrscheinlich geradezu einen Sprung nach vorn unternommen. Warum nicht alle Liechtensteiner, die ein Gymnasium durchlaufen wollen, wie alle, die Lehrer werden möchten, nach Sargans schicken? Das wäre eine reine Frage des Transportes und der finanziellen Be­ teiligung. Dann hätten wir das neue Gebäude hier frei für eine Alter- nativ-Schule, auf die in der ganzen Region so viele Schüler warten, die heute notgedrungen das Gymnasium besuchen, obwohl es ihre Be­ gabungen vernachlässigt. Es könnte dies eine nicht von den Bedürfnis­ sen der Wirtschaft, sondern von denen der Menschen bestimmte Schule sein, eine humanere höhere Schule. Sie könnte die Fähigkeiten der Kinder bilden, die vom herkömmlichen Gymnasium links liegenge­ lassen werden müssen: Soziales Empfinden, kreatives Tun, politi­ scher Sinn, Teamgeist. Ihre Absolventen fänden sich später im Schul­ dienst (über den Zweitweig zum Lehrerpatent), in sozialen Berufen (Fürsorge, Krankenpflege, Jugendarbeit) oder in verschiedensten Kunstgewerben. In einer Zeit, in der man wegen des ungehemmten Wirtschaftswachstums durchaus auch von einer «geistigen Umwelt­ verschmutzung» reden kann, wäre eine solche alternative weiterfüh­ rende Schule verheißungsvoller als — bestenfalls — auch nur ein gleich gutes Gymnasium wie wir es in der Nachbarschaft haben. Ähnlich könnte man es sehen, wenn man an den geplanten Spital­ neubau denkt. Auch mit einem finanziellen Kraftakt werden wir nur weniger zustandebringen können, als Grabs, Feldkirch und Walen­ stadt schon haben. Für alle — auch für die Liechtensteiner — wäre es besser, auf ein mit Grabs konkurrierendes Spitalkonzept zu ver­ zichten, sich entschieden am Ausbau und Betrieb dieses für die Region bedeutsamen bestehenden Krankenhauses zu beteiligen — und dafür hier ein anderes Spital zu bauen. 80
        

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