Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
3
Erscheinungsjahr:
1973
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000000075/79/
Das Fürstentum als Alternative Christoph Möhl Geboren 1933 • Evangelischer Pfarrer • Vaduz, Schloßstraße 11. Die folgenden, möglicherweise für viele anstößigen Gedanken möch­ ten so etwas wie eine Vision von einem anderen Liechtenstein sein, eines unwirklichen, aber denkbaren Fürstentums. Liechtenstein sieht sich größenmäßig seinen Nachbarstaaten Öster­ reich und Schweiz gegenüber in gleichem Verhältnis der Kleinheit, wie diese selber im Vergleich mit Großmächten wie Nordamerika oder Rußland. Wie diese Nachbarstaaten es bisher verstanden haben, sich sogar im Wettbewerb mit diesen Supermächten zu halten, konnte Liechtenstein bisher in einem Konkurrenzkampf in den gleichen Diszi­ plinen mit den Nachbarstaaten bestehen. Ob dieser Weg in jede Zukunft hinein offen bleibt, erscheint dem kritischen Beobachter aber fraglich. Die Schweiz und Österreich be­ kommen es bereits zu spüren, daß ein «Möchte-gerne-gleich-sein» nicht mehr ohne Probleme ist, weil es ein Volk ihrer Größenordnung finanziell und politisch-geistig überfordert. Das zeigt sich in den genannten Staaten heute bei der Rüstung. Nicht nur eine atomare Bewaffnung ist ihnen zu kostspielig. Der aufsehenerregende Ent­ scheid des schweizerischen Bundesrates, zur Zeit keine neuen Kampf­ flugzeuge mehr anzuschaffen und dessen Begründung («volkswirt­ schaftlich nicht zu verantworten») sagt eigentlich genug. Die Reak­ tionen militärfreundlicher Kreise machen deutlich, daß dieser Be­ schluß auf einen Abbau der Armee hinauslaufen muß. In Österreich ist ein solcher Abbau längst im Gange, die Luftwaffe bedeutungslos. Es wäre nun auch für Liechtenstein nicht gut, sich in einer Zeit, in der bestimmte Erfordernisse der Infrastruktur und der öffentlichen Einrichtungen immer kostspieliger werden, weiterhin in jeder Be­ ziehung gleichziehen zu wollen. Gerade wer Liechtenstein liebt und es nicht in Verkennung seiner Möglichkeiten überschätzt, wird wis­ sen, daß es Auftrag und Verheißung dieses Landes ist, auch kein Kleinstaat wie die Schweiz zu sein, sondern ein Ä7ei«5istaat. Einstweilen scheint man hierzulande zwar noch davon beseelt, wenn nicht gar besessen zu sein, wie die andern sein zu wollen. Nur wie die andern, möchte man gerne beifügen. Denn warum sollte Liech­ tenstein nicht anders als die andern sein — nicht nur als «letzte Mo­ narchie im Herzen der Alpen», sondern noch in vielen andern Be­ ziehungen? Ernsthaft als Hypothese oder Vision könnte man sich einmal über­ legen, ob nicht in mancher bedeutenden Frage, die zur Zeit zu lösen 79
        

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