Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
3
Erscheinungsjahr:
1973
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000000075/62/
«Ich bin ein Liechtensteiner» Franz Felix Lehni Geboren 1928 • Freier Journalist, Zentralpräsident des Vereins der Schweizer Presse • St. Gallen, Achsienstraße 28. Was bedeutet mir Liechtenstein? Als ich von den Herausgebern die­ ser Schriftenreihe um Beantwortung der Frage gebeten wurde, da war mein erster Gedanke: eine Gretchenfrage! Und meine erste Regung war, wie Faust auf die Frage nach der Religion ausweichend zu antworten: «Laß das, mein Kind! Du fühlst, ich bin dir gut...» Aber die Frage war mir als Freund Liechtensteins gestellt worden: sie gestellt zu bekommen, setzte also schon voraus, daß ich dem Lande gut war. Und da die Herausgeber mit den Antworten «das Nachden­ ken über Liechtenstein fördern» möchten, dachte ich nach. Was bedeutet mir Liechtenstein? Ich gebe mir Rechenschaft, daß ich mich, wenn Liechtenstein im Spiel ist, in der Schweiz etwa so ver­ halte, wie ich mich im Ausland verhielte, wäre die Schweiz im Spiel. Daß ich mich, wenn es um ein Engagement Liechtensteins geht, mit­ engagiert fühle. Daß ich mich für Liechtenstein ereifere, wenn ich Vorurteilen über dieses Land begegne. Daß ich zur Verteidigung des Landes antrete, wenn Liechtenstein angegriffen wird. Und daß ich mich mitbetroffen fühle, wenn Liechtenstein von einer berechtigten Kritik getroffen wird. Ich drücke für Hanni Wenzel (obzwar nicht Liechtensteinerin, aber als solche am Start) und für Willi Frommelt die Daumen, wenn Welt­ cuppunkte zu gewinnen sind, wie ich sonst nur für die Schweizer Ski­ asse die Daumen drücke. Und wenn die beiden den Schweizer Assen bei unseren Landesmeisterschaften gar noch ein Schnippchen schla­ gen und die Titel «ausführen», dann freue ich mich. Ich ärgere mich handkehrum, wenn meine Schweizer Landsleute mit den alten Kli­ schees vom Briefmarkenstaat und vom Steuerparadies, von den un­ moralischen Sitzgesellschaften dubioser Geschäftsleute und von der Operettenmonarchie auftrumpfen. Und ich beeile mich, diese Kli­ schees durch exakte Information zu widerlegen, fühle mich heraus­ gefordert und mache mich zum Anwalt des Landes, der die Dinge richtigstellen möchte. Ich reagiere empfindlich, wenn Schweizer von Liechtenstein so reden oder das Land so behandeln, als sei es bloß eine Art Wurmfortsatz der Schweiz oder bestenfalls deren 26. Kanton. Und ich empöre mich, wenn schweizerische Geschütze versehentlich liechtensteinisches Ter­ ritorium beschießen, Schweizer Truppen die Grenze dieses Landes 62
        

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