Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
3
Erscheinungsjahr:
1973
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000000075/54/
Was könnte Liechtenstein sein? Christine Kaufmann- Geboren 1953 • Gymnasialschülerin, 7. Klasse, Sargans • Mauren, Ringstraße 237. Meiner Meinung nach ist es an der Zeit, daß wir Liechtensteiner unser Schmarotzerdasein endlich aufgeben! Als «Rucksack der Schweiz» führen wir ein allzu sorgloses Leben und erschöpfen uns an innenpolitischen Haarspaltereien. Unser Desinteresse an weltweiten Problemen glauben wir durch Liechtensteins «Kleinstaatlichkeit» rechtfertigen zu können. Doch diese Haltung — manifestiert durch Aussagen, wie: «Was kann so ein kleines Land schon zur Lösung von weltweiten Problemen beitragen?» oder «Wir wollen uns nicht in fremde Angelegenheiten einmischen» — kann heute nicht mehr als bescheiden, vernünftig, einsichtig oder gar tolerant interpretiert wer­ den, es ist einfach feige, verantwortungslos und egoistisch, sich in sein Schneckenhaus zurückzuziehen und sich von der Mitverantwortung am Weltgeschehen zu drücken. Denn gerade diese Haltung, dieser Mangel an Selbstvertrauen, diese egoistische Weltflucht nähren die Zweifel an unserer Glaubwürdigkeit und Existenzberechtigung. Erst dann werden wir als ernstzunehmende Partner akzeptiert, wenn wir uns der vielfältigen Möglichkeiten des Kleinstaates bewußt werden und dann endlich die notwendigen Konsequenzen daraus ziehen. «Der Kleinstaat besitzt heute besonderen Reichtum. Mir scheint, daß ihn vier Strukturelemente auszeichnen: Der Kleinstaat 1. als Ord­ nungseinheit der Geltung der Person, 2. als Friedensordnung, 3. und 4. als Lebenseinheit internationaler Solidarität und Kommunikation», so schreibt Gerard Batliner über die Strukturelemente des Klein­ staates ..., doch wie haben wir bisher diese Möglichkeiten, diesen Reichtum genutzt? Wie steht es z. B. mit der Realität von Punkt 1? (Ordnungseinheit der Geltung der Person.) Was gilt die Person — was gilt z. B. das Kind im sogenannten Zeitalter des Kindes in Liech­ tenstein? — Unsere Kindergärten sind zum Teil überfüllt und die Erzieher finden kaum noch Zeit, sich den Kindern in dem Maße zu wid­ men, wie es zur gesunden Entwicklung des Menschen nötig wäre. Und jene Spielplätze, bestehend aus Sandkasten, Schaukel, Klet­ terturm usw. sind ein Hohn für die kindliche Phantasie. Unseren Kindern fehlen Abenteuerspielplätze und sinnvolle Vor­ schulerziehung. Liechtenstein soll sich öffnen für die Erkennt­ nisse der modernen Pädagogik, es soll Möglichkeiten und 
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