Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
3
Erscheinungsjahr:
1973
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000000075/49/
die Politiker das Verbindende in unserer Talschaft noch nicht ent­ deckt haben. Es ist eine Sünde, für eine solche Region keine gemein­ schaftliche Planung zu haben. Es ist aber eine Todsünde, daß für diesen Teil des Rheins nicht einmal eine Instanz geschaffen wurde, durch welche sich die Länder, die hier aneinanderstoßen, gegenseitig orientieren, absprechen und Lösungen suchen, die zum Nutzen aller sind. Clubs und Veranstaltungen, die freundnachbarliche Beziehun­ gen hegen und pflegen sollten, deren Tagungen sich aber fast aus­ schließlich in Banketten erschöpfen, sind bei Gott schon genügend über die Bühne gegangen. Ein regionales, öffentliches Verkehrsmittel, das nicht die Straße benützt, wäre doch ein paar Bemerkungen wert zwischen dem vierten und fünften Gang. Die Angliederung an die Schweiz in Form einer Post-, Zoll- und Währungsunion ist 50 Jahre alt. Eine Analyse der Politik und des Integrationszustandes wäre von Interesse. Ich möchte nur zwei Be­ merkungen anbringen. Eine Botschaft ist nicht die richtige politische Plattform für die Part­ nerschaft Schweiz-Liechtenstein, weil in das Pflichtenheft eines Part­ nerschaftsverhältnisses andere Aufgaben gehören. Wir sollten in Bern eher eine Institution schaffen, der aktive Mitsprache in allen Gremien gewährt wird, in denen über Dinge beraten und beschlossen wird, die für Liechtenstein von Gewicht sind und umgekehrt. Das ist für die Schweiz eine Geste, für Liechtenstein bedeutet es mehr; es wäre Umwandlung passiven Empfangens in aktive Partnerschaft. In der Schweiz leben heute ungefähr 10 % der Liechtensteiner. Eine loyale Integrationspolitik darf diese Liechtensteiner nicht vergessen. Es existiert das paradoxe Verhältnis, daß kaum ein Schweizer einen Liechtensteiner als Ausländer betrachtet, daß aber die ganze Büro­ kratie hüben wie drüben noch nicht so weit ist. Gibt es zur Zeit in Liechtenstein ein Volk mit einem Staat oder gibt es nur Interessengruppen und Parteien? Das ist eine entscheidende Frage, die man sich am Schlüsse dieser Ausführungen stellen sollte. Im ersten Falle sind wir ein Staat, im zweiten ein Haufen Eigennutz. Die Antwort überlasse ich dem Leser. Schlußwort Liechtenstein ist groß geworden. Seine vitalen Interessen haben sich geändert. Damit Liechtenstein weiter lebt, muß es vor allem mehr Demokratie haben und mehr Rechtsempfinden entwickeln, — was Demokratie in anderen Staaten ist, steht hier nicht zur Debatte —. Dazu bedarf es vor allem, meine ich, eines Volkes, das vermehrt sach­ liche Kritik zum Staate äußert, und Politiker, die das Volk ver­ treten und nicht nur sich und die Lobby, die gesunde Alternativen 49
        

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