Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
3
Erscheinungsjahr:
1973
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000000075/47/
ihren Ebenbildern reden und meinen, sie hätten zum Volk gesprochen und das alles nur, weil ein paar Spiegel eine ungewohnte Erscheinung hervorzaubern. Sie bilden eine geschlossene Gesellschaft, einen Geheimbund, Kreise und Kränzchen, zu welchen Uneingeweihte keinen Zutritt haben. Nur vor den Wahlen verirren sich alle wie von einem Instinkt ge­ trieben aus diesem Spiegelsaal heraus, verkünden lauthals haupt­ sächlich unüberlegte und schnell hingeschriebene Programme, um sich nachher in den Spiegelsaal zur Selbstgefälligkeit zurückzuziehen und um sich von Jahr zu Jahr stärker von der Wirklichkeit und den Problemen zu entfremden. Können diese Kreise die breitgestreuten Anliegen der jungen Generation überhaupt verstehen und vertreten? Hoffentlich findet bald einmal einer zufällig oder bewußt den Aus­ gang aus dem Spiegelsaal und erinnert sich beiläufig daran, daß er sich vom Volk fürs Volk hat wählen lassen und sonst zu gar nichts. Zu den Gruppen: Interessengruppen sind eine natürliche, bereichernde Erscheinung un­ serer Gesellschaft. Hat eine Politik ein Konzept, so gelingt es ihr, die von den verschiedensten Seiten herkommenden Ansprüche zu koordi­ nieren, zu integrieren und auszugleichen, so daß keine Gruppe über­ mächtig wird. Ich gebe ein Beispiel: Im Jahre 1952 hat ein gutes Dutzend Akademiker dieses Landes das Kollegium Marianum in eine Wirtschaftsschule umfunktioniert. Hier hatte die Existenzangst jedes vernünftige Maß überstiegen, denn bekanntlich ist keiner dieser Herren in der Zwischenzeit verhungert. Schon 1952 sah es nicht so aus, als müßten sie verhungern. Sie haben, und mit ihnen die aus­ führenden Politiker, das Recht auf Bildung der Bürger verletzt und das ist nicht wenig, wenn es auch nachträglich korrigiert wurde. Heute werden diese Bürger betroffen, morgen sind es andere. Wieviel wird in diesem Lande auf diese Art entschieden? Zum Staat: Von den römischen Kaisern haben wir die Staatsphilosophie, die Staatsräson der «pecunia non olet», «Geld stinkt nicht», woher es auch kommt, entlehnt. Ist eine solche Einstellung von Nutzen oder werden wir nicht jetzt schon dafür durch eine enorm überhitzte Bodenspekulation bestraft? Haben unsere Sitzgesellschaften unseren Staat nicht allzu sehr in Mißkredit gezogen? Es ist eben eine Tatsache, daß sich hinter der Anonymität von Sitzgesellschaften auch kriminelle Machenschaften abspielen; es ist eine Tatsache, daß diese Einrichtung natürlichen und juristischen Personen in anderen Staaten Steuer­ hinterziehung ermöglicht. Macht sich hier ein Staat nicht gegenüber dem anderen strafbar? Ich weiß es nicht, aber ich hoffe, daß unser 47
        

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