Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
3
Erscheinungsjahr:
1973
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000000075/32/
Meine neue Heimat Henry Goverts Geboren 1892 • Verleger • Vaduz, Fürst-Johannes-Straße 10. Meine erste Erinnerung an Liechtenstein fällt in das Jahr 1929. Es war im Spätherbst, und ich war mit meinen Eltern nach Vaduz ge­ reist, wo wir im Hotel Adler übernachteten. Am nächsten Morgen gingen wir von Vaduz aus bergauf durch die Weinberge, und als der Feldweg aufhörte, über leicht verschneite Wiesen weiter bergan, bis wir zu hohen alten Föhren gelangten. Am Rande dieses Bannwaldes hatten wir Halt gemacht, und meine Eltern erklärten mir, hier wol­ len wir uns ein Haus bauen und seßhaft werden. Das verflossene Jahrzehnt hatten meine Eltern, bedingt durch die Krankheit meiner Mutter, in der Schweiz verbracht und an verschiedenen Orten jeweils eine Zeitlang gelebt. Mein Vater liebte die Berge und hatte als Jüng­ ling seine Ferien meist in der Schweiz oder auf Kletterpartien in den Dolomiten verbracht. Ich gebe zu, ich war über diese Eröffnung meiner Eltern entsetzt, hier in der Einsamkeit ein Haus zu bauen. Vor den alten Föhren, die hier standen, lagen verschneite Wiesen, sah man zwar einige Häuser in der Ferne liegen und tief unten floß der schmale Rhein, von beiden Seiten eingeengt durch hohe schneebedeckte Berge. Ich aber liebte meine Vaterstadt Hamburg, liebte die weiten Horizonte, die breithinfließende Elbe und die grünen Flächen Schleswig-Hol­ steins, die in den Bildern von Emil Nolde ihre so charakteristische Darstellung gefunden haben. Dort war ich zu Hause. Meine Eltern aber schienen entschlossen. Das Haus wurde gebaut. Ich kam damals selten nach Liechtenstein, denn meine Verlagsarbeit war mir das wichtigste, und sie brachte mich in viele Städte, aber selten nach Liechtenstein. Erst als mein Vater 1932 bei einem Auto­ unfall starb, besuchte ich häufiger meine Mutter und traf hier Familie und alte Freunde unseres Hauses. Aber der kleine Agrarstaat im Rheintal und seine Landschaft blieben mir fremd. Vor fast jedem Haus im Regierungssitz Vaduz lag damals ein sachkundig angelegter Misthaufen. Und nur morgens und abends sah man, wie das Vieh über fast leere Straßen zur Tränke getrieben wurde. Der Zweite Weltkrieg machte meine Besuche in Vaduz schwieriger. Doch hin und wieder erhielt ich die Erlaubnis, nach Liechtenstein zu reisen, das sich mutig gegen alle Nazi-Einflüsse verteidigte. Und so konnten wir auch hier einigen Deutschen mit Hilfe der Regierung 32
        

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