Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
3
Erscheinungsjahr:
1973
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000000075/26/
Was kann Liechtenstein sein? Peter Geiger Geboren 1942 • Dr. phil., Gymnasiallehrer • St. Gallen, Zürcherstraße 145. Es gibt wenig Neues unter der Sonne. Um dieses wenige zu er­ wirken, muß das viele Altbekannte wieder und wieder umgewendet und neu gesagt werden. In diesem Sinne sind auch die folgenden kur­ zen Gedanken zur gestellten Frage zu verstehen. Der Liechtensteiner sieht sich in einer paradoxen Situation: Er ist Bürger eines Landes, das so klein ist, daß es nach außen, in der inter­ nationalen Politik, nicht viel mitreden kann und so viel wie nichts gilt. Er ist aber auch Bürger eines Staates, der ihm nach innen alle wichtigen demokratischen Rechte und in der Gestaltung des Staates und der Gesellschaft eine unvergleichlich gewichtigere Stimme, als sie jeder Bürger eines größeren Staates besitzt, gibt. Was kann der Liechtensteiner aus dieser Situation machen? Es seien Konsequenzen und Möglichkeiten erwogen, erst kurz nach außen, dann nach innen, um vielleicht zu einem Ergebnis zu gelangen. Liechtenstein ist souverän, international anerkannt. Alle Staaten hängen indessen heute voneinander ab. Ein so kleiner Staat wie Liech­ tenstein hängt aber in viel größerem Maße als andere von seinen Nachbarn ab. Der Liechtensteiner muß dies ebenso einsehen, wie ein Franzose erkennen muß, daß sein Land nicht mehr zur ersten Garni­ tur der Weltmächte zählt. Man könnte vor dieser Beschränkung des außenpolitischen Spielraums die Augen verschließen oder aber resi­ gnieren. Statt diesen Gefahren zu erliegen, wird der Liechtensteiner den Blick schärfen müssen: — für das, was sein Land als kleine politische Einheit erhaltenswert macht, — für die Entwicklung der Nachbarstaaten, von der eben auch die liechtensteinische in manchen Teilen abhängt, — für die größere europäische Entwicklung, in die Liechtenstein eingebettet ist, — für die globale Entwicklung, welche im Prozeß der Dekolonisa- tion, der Emanzipation alter und neuer Kulturen, der Ideologi- sierung und der Bildung und Umschichtung von Blöcken die Vor­ herrschaft des christlichen Abendlandes auflöst und auch Liech­ tenstein nicht mehr so ruhig und nahe am Nabel der Welt sitzen läßt. Der Liechtensteiner kann so die Freiheit des wachen, neutralen 
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