Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
3
Erscheinungsjahr:
1973
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000000075/24/
einzusehen lernt, was menschengemäß ist und was nicht. Die An­ passungsfähigkeit des Menschen ist beschränkt. Und nun komme ich zur zweiten mir gestellten Frage: Was könnte Liechtenstein sein? Meine Antwort hierauf: Liechtenstein könnte das Land sein, das als erstes auf breiter Basis darangeht, dieses ernste Problem auf seinem Territorium soweit als möglich zu lösen, das dem Menschlichen wieder den ihm zustehenden Vorrang in all seinen Plä­ nen und Handlungen einräumt. Unser kleines Land brächte für dieses Vorhaben die besten Voraussetzungen mit, denn unsere Bevölkerung wohnt noch ausnahmslos in Dörfern. Das erste Ziel müßte sein, die dörfliche Ruhe, die dörfliche Atmosphäre zu erhalten und sie dort, wo diese durch den Verkehr und anderes schon gestört sind, wieder­ herzustellen. Land und Gemeinden hätten es beispielsweise mit der Verkehrsplanung in der Hand, den lärmenden und gefährdenden Transitverkehr an unseren Dörfern vorbeizuleiten. Unsere Regierung schreibt in einem Bericht vom 15. November 1972 an den Landtag sehr richtig: «Innerhalb der Siedlungen selbst darf es nur zu einer Einflechtung, nie aber zu einer Konzentration des Verkehrs kommen. Im Innern von Ortschaften sind nur jene Aktivitäten zeitgerecht, welche Menschen zusammenführen und nicht trennen. Es sind des­ halb auch nach Möglichkeit Fußgängerzonen anzustreben.» Die Erkenntnis unserer obersten Landesbehörde ist also da und ist gegenüber der Volksvertretung mit deutlichen Worten ausgesprochen worden. Wenn Staat und Gemeinden auf diese Weise den Menschen ein ruhiges, ungestörtes Wohnen sichern, dann wäre schon mehr als die Hälfte erreicht. Dem Bau der nötigen Umfahrungsstraßen müßte absoluter Vorrang im Baubudget eingeräumt werden. Dem zuneh­ menden Durchgangsverkehr dürften in der Zwischenzeit auf keinen Fall ausgesprochene Wohnquartiere geöffnet werden. Das wäre nach all dem Gesagten nicht zu verantworten. Es sollen unsere Dörfer auch weiterhin Dörfer bleiben; es wären nicht unbedingt halb­ städtische Verhältnisse anzustreben, denn die sind doch meistens recht langweilig und überall anzutreffen. Alte, Strauch- und baumbestan­ dene Gassen wären zu belassen, auch wenn die Fahrbahnbreite nicht den Idealvorstellungen der Techniker entspricht. Bauernhäuser, er­ baut von unseren Vorfahren, könnten wohnlicher gestaltet werden; ein Abbruch ist nicht in jedem Fall das Richtige. Wir müssen wieder in vermehrtem Maße nachdenken, was der in unseren Gesetzen immer wieder aufscheinende Begriff «allgemeines Wohl» eigentlich bedeutet. Land, Gemeinden und auch die Wirtschaft soll­ ten bei ihren Planungen und Entscheidungen stets das wirkliche Wohl der Menschen im Auge behalten. Das «Menschengemäßere» muß im 24
        

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