Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
3
Erscheinungsjahr:
1973
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000000075/19/
5. Des öfteren hat man versucht, dem Liechtensteiner ein hohes Maß an Staatsbewußtsein «aufzupfropfen», andere diagnostizieren dessen völliges Fehlen. Die Wahrheit liegt wohl in der Mitte. Die Geschichte zeigt, daß dieses Staatsbewußtsein, nach dem man heute verschiedent­ lich forscht, in Zeiten der Entscheidung in ganz unliechtensteinisch kräftiger Weise zum Ausdruck gekommen ist. Das läßt hoffen. Ge­ rade in einem Kleinstaat ist ein Staatsbewußtsein «auf Sparflamme» eine gute Lebensweise. Damit kann er alt werden. Bisher 267 Jahre. Alter schützt vor Torheit nicht, heißt das Sprichwort, das in diesem Zusammenhang paßt. Allerdings ist man auch bereit dafür zu zahlen. Es bietet keine Schwierigkeit, diese Ausführungen mit Argumenten zu widerlegen, die ebenso auf urliechtensteinischem Grund und Boden gewachsen sind wie die obigen: Es ist kein Pazifismus, sondern der gesunde Menschenverstand, der Liechtenstein ohne Militär sein läßt (1). Immerhin errichtet Liechtenstein nicht nur Naturschutzgebiete, son­ dern demonstriert auch gegen Rüthi und Sennwald (2). Ohne den Ausbau der Infrastruktur gibt es keine Entwicklung der Gemeinden (3). Liechtenstein hatte alle Mühe, einer völligen «Verschweizerung» zu entgehen, einer Europäisierung wird es nicht widerstehen können (4). Das Festhalten an den Liechtensteinischen Eigenarten ist die Garantie für eine positive Staatsentwicklung, dazu ist jedoch ein gesteigertes Staatsbewußtsein Voraussetzung (5). Was diese Übung besagen soll: Argumente wie Gegenargumente sind typisch liechtensteinisch. Beide sind in Diskussionen oft zu hören und ehrenwert. Nur, das Recht ist meistens nicht gleich auf beide Seiten verteilt. Deshalb sind auch Kompromisse oft Notlösungen. Und wenn ich etwas Erfeuliches an diesem Staat finden soll, so nenne ich das Erfreulichste: die Diskussion. Es macht den Anschein, als ob sich mehr Bürger wieder um ihren Staat kümmerten. Und es macht den Anschein, als ob dieser Staat ein verstärktes Engagement seiner Bürger gut brauchen könnte. Waren die Abstimmungen über das Frauenstimmrecht und die Erhöhung der Zahl der Landtagsabgeord­ neten noch «Kinderkrankheiten» dieses neuen Engagements? Ist der Bürger für ein neues Engagement gerüstet und ausgebildet? Die oben angeführten Themen sind beliebig auswechselbar, sie sind individuell, in dem Augenblick niedergeschrieben, in welchem der Schreibende sein Verhältnis zu seinem Land näher untersuchte. Sie sind nicht retuschiert oder verbessert. Obwohl schon jetzt, einige 19
        

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