Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
3
Erscheinungsjahr:
1973
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000000075/18/
Geschichte «vom Bauernland zum Industriestaat». Von all dem soll, wie gesagt, hier nicht die Rede sein. Der Leser kann von diesen Vor­ stellungen absehen, mal sehen, was draus wird. Es blieben etwa folgende Feststellungen, die freilich in ihrer Lücken­ haftigkeit ebenso problematisch sind wie die eingangs zitierten Pas­ sagen aus einem ausländischen Text: 1. Das Fürstentum Liechtenstein besitzt seit über 100 Jahren kein Militär mehr. Und noch nie wäre es einem Fürsten, einem Landtags­ präsidenten oder einem Regierungschef des Landes eingefallen, sich als Vorkämpfer des Pazifismus feiern zu lassen. Liechtenstein macht in der Tat nicht viel Aufhebens mit seiner Friedfertigkeit. Das zeugt einerseits von einigem Realismus, anderseits wird es wohl erlaubt sein, sich seine, wenn auch ausgefallenen, Gedanken zu machen. Immerhin wird man ja in dieser Zeit für den Friedensnobelpreis vor­ geschlagen, wenn man die militärischen Aktivitäten auch nur ein­ schränkt und deren Sinnlosigkeit «in Grenzen» hält. 2. Während langer Jahre lebte man auch in Liechtenstein nach dem Bibelwort, wonach jedes Tal aufgefüllt und jeder Berg abgetragen werden solle (Isaias 40,4). Dabei wurde besonders dem ersten Teil der Forderung in einem Maße nachgelebt, welches den tierischen Be­ wohnern von Gräben und Tümpeln zumeist den unchristlichen Gar­ aus machte. Der gleiche Bagger aber, der hier dem Prinzip der Gleich­ förmigkeit und der Ebenmäßigkeit diente, bewegte später die Erde wieder in einen Zustand zurück, der dann Naturschutzgebiet hieß. Diese Tatsachen stimmen nachdenklich und optimistisch zugleich. Darüberhinaus sind sie typisch. 3. Naturschutzgebiete erreicht man über Straßen, es führt kein Weg an einer Straße vorbei. Wo einmal und vor nicht allzu langer Zeit der Bauer sein Feld bebaute, bauen heute der Bauherr und der Bau­ meister. Einsichtige fordern heute eine Eindämmung des Verkehrs auf allen Fronten. Der Zwiespalt für eines der höchstmotorisierten Länder der Welt wird offenkundig. 4. Nicht alle Wege führen nach Brüssel, Luxemburg oder Straßburg, doch kann auch ein Optimist mit etwelchen Abstrichen annehmen, in grauer Ferne und in groben Umrissen sei ein größeres Maß an europäischer Einigung auszumachen. Dabei scheint mir, ein Klein­ staat wie Liechtenstein habe weniger davon zu befürchten als zu erwarten. Immerhin ist es ja für uns nichts Neues, einige Souveräni­ tätsrechte an einen größeren Staat abzutreten. Wir wären also «rou­ tinierte Europäer». Liechtenstein profitiert vom Kontakt über Gren­ zen mit und ohne Zoll, von der Verschiedenartigkeit der Meinungen unter den Bürgern. Es wird in Europa nicht anders sein. 18
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.