Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
3
Erscheinungsjahr:
1973
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000000075/107/
dies Beispiel — es soll nicht mehr als ein 
Beispiel sein — zeigen, wie ein Kleinstaat seine Existenz behaupten kann. 1. Eine überzeugende Außenpolitik. — Das mag großsprecherisch klingen. Wie soll ausgerechnet ein Kleinstaat eine überzeugende AußenpoWüV. treiben; sind seine Kräfte nicht schon völlig erschöpft, will er eine auch nur halbwegs überzeugende /rmenpolitik verfolgen? Nun — Sennwald zeigt, daß, wer Grenzen hat und Nachbarn be­ sitzt, nicht darum herumkommt, über die Grenzen hinweg mit dem Nachbarn zu sprechen — zumal heute, da — wie wiederum Sennwald beweist — die Grenzen nicht dem Boden entlang gehen, sondern durch alle Winde und Lüfte hin- und herbewegt werden. Also doch Außen­ politik. Aber welche? Ein kleines Land besitzt kaum politische Druckmittel. Es kann keine Politik mit dem Drohfinger betreiben. Welche Sanktionen wollte es schon ergreifen? So bleibt ihm nichts anderes übrig, als der Versuch, die anderen zu überzeugen. Der Politiker eines kleinen Staates wird die Politiker der anderen Länder davon überzeugen müssen, daß die Lösung, die er selbst vorschlägt, nicht nur für das eigene Land, son­ dern auch für die anderen Länder gut und vorteilhaft ist. Damit dies gelingt, wird sich der Politiker gerade des kleinen Staates bemühen müssen, das Problem seines 
eigenen Landes so darzustellen, daß es als Problem auch des 
anderen Landes erscheint. Konkret: Er wird zeigen müssen, daß die Sennwalder Luft, die Liechtenstein verpestet, bei Windwechsel auch schweizerisches Gebiet gefährdet. Er wird zeigen müssen, daß heutzutage kein einziges Land mehr abschließend und ausschließlich es selbst ist. Immer wird das eigene Land mitbe­ troffen von dem, was im andern Land geschieht. Tua res agitur — auch wenn diese Sache auf der anderen Welthälfte verhandelt wird. Von den Bischöfen sagt man, zwar seien sie durchaus Bischöfe einer bestimmten Diözese. Zugleich aber seien sie immer auch Bischöfe der einen und einzigen Weltkirche. Müßte dies nicht auch in gewisser Weise von den Staatsmännern gelten? Ein für das eigene Land lang­ fristig guter Politiker ist nur, wer eine Politik betreibt, die auch für das fremde Land vorteilhaft ist. Eine in dieser Weise gute Politik ist jedoch erst dann verwirklicht, wenn alle Beteiligten davon über­ zeugt sind, daß sie je für das eigene Land wie auch für alle zusammen eine gute und gedeihliche Politik darstellt. Eine solche Politik läßt sich aber nicht durch Druck und Drohung, sondern nur durch Uber­ zeugen betreiben. Könnte nicht der Politiker eines Kleinstaates aus seiner Not druck­ mäßiger Ohnmacht die Tugend politisch klugen Uberzeugens machen? 107
        

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