Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
3
Erscheinungsjahr:
1973
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000000075/10/
Was könnte Liechtenstein sein? Christian Beusch Geboren 1905 • Ingenieur • Schaan, Zollstraße 415. Die mir gestellte Frage bringt mich in Verlegenheit. — Was gibt es denn noch zu wünschen? Die Realität ist doch einzigartig. Der Bür­ ger genießt die größtmögliche Freiheit. Der Lebensstandard ist hoch, und die geistig-kulturelle Betätigung liegt, im Verhältnis zur Bevöl­ kerungszahl größerer Staaten, weit über dem Durchschnitt. — Doch lehrt die Geschichte, daß jedes Staatswesen über kurz oder lang auf­ gerufen wird, seine Existenz zu behaupten und zu verteidigen. Wie begründet, im Zeitalter der europäischen Integrationsbestrebun­ gen, ein Kleinstaat seinen Anspruch auf Eigenstaatlichkeit? Wie fügt er sich in das Orchester der Nationen ein? Ist er ehrenhaft und bereit, eine allen nützliche Leistung zu erbringen, oder will er nur von seiner Souveränität profitieren? Es gibt gewiß eine ganze Palette von Empfehlungen, wie die Existenz­ berechtigung eines Kleinstaates untermauert werden kann. Ich be­ schränke mich auf einen Beitrag, der mir besonders realistisch er­ scheint. Wir leben nämlich in einer von der Naturwissenschaft geprägten Welt, und ich stimme Max Frisch zu: «Wir leben technisch, der Mensch als Beherrscher der Natur, der Mensch als Ingenieur, und wer dagegen redet, der soll auch keine Brücke benutzen, dann auch keine Glüh­ birne, keinen Motor, keine Rechenmaschine, kein Bad, keine Müll­ abfuhr, keine Narkose.» Das kommende Jahrhundert wird das Zeitalter des Technikers sein, denn auch die Verwaltung und die Kontrolle werden mechanisiert. Die Nationalökonomie wird komputerisiert, und die meisten admini­ strativen Arbeiten werden von Maschinen geleistet. Ein Land das über keine Rohstoffe verfügt und auch nicht einen Teil der Nahrung aus dem Meere ziehen kann, ist in besonderem Maße auf Werterzeugungen respektive auf geschulten Geist und gelehrige Finger angewiesen. Ein fortschrittliches Volk darf deshalb den geistigen Inhalt natur- wissenschaftlich-technischer Errungenschaften nicht geringschätzen. Die Anwendung naturwissenchaftlich-technischer Erkenntnisse be­ gründen achtbaren Wohlstand und bilden das gute Fundament einer hohen Kultur. — Die Hochschätzung technischer Berufe gibt einem 10
        

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