Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
2
Erscheinungsjahr:
1973
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000000074/79/
Weltkrieg setzte aber eine bis zum heutigen Tage andauernde Ten­ denz zur Verflechtung der Staaten zunächst auf wirtschaftlicher, je länger je mehr auch auf politischer Ebene ein. Diese Entwicklung hat es mit sich gebracht, daß alle Staaten — insbesondere aber auch die Großmächte — vertraglich oder aufgrund politischer oder gar mili­ tärischer Rücksichten dermaßen gebunden sind, daß ihre Handlungs­ freiheit weitgehend eingeschränkt ist. Wer wollte sich also anmaßen, brauchbare Kriterien der Selbstfindung im Verhältnis zur Souveräni­ tät aufzustellen? In einer Zeit, welche so weltumspannende Probleme wie Sicherheit, gesunder und genügender Lebensraum oder Gewähr­ leistung der Rohstoffversorgung mit sich gebracht hat, darf nicht mehr in Kategorien des Nationalstaatentums gedacht werden. Das heißt nun allerdings nicht, daß jede nationale Identität preisgegeben werden soll. Es heißt vielmehr, daß ein Staat in der Lage sein sollte, seine innere Ordnung zu bestimmen und durchzusetzen. Und — wie in anderem Zusammenhang erwähnt — heißt es, daß er in der Lage sein soll, seine Rechte und Pflichten gegenüber der Staatengesellschaft zu wahren und zu erfüllen. Neuere Staatskriterien Wenn bis hierhin versucht wurde darzustellen, wie einfach im Grunde die traditionellen Kriterien des Staates waren und gleichzeitig, wie fragwürdig sie aufgrund ihrer Interpretation heute geworden sind, so muß man auch anführen, daß sich Theorie und Praxis dieser Pro­ blematik auch teilweise bewußt geworden sind. Einen Hinweis mag man darin erkennen, daß nach zusätzlichen Bestimmungsfaktoren gesucht wurde, welche zwar die bisherigen nicht außer Kraft setzen, sondern ergänzen sollten. Wir werden uns kurz auch mit einigen dieser Zu­ satzkriterien zu befassen haben. Dabei können wir uns beschränken auf die 
Verfolgung von Gemeinschaftszwecken, auf die 
Staatenver­ kehrsfähigkeit und auf das 
Staatsbewußtsein. Der Staat wird gelegentlich auch etwa als der hinsichtlich der Er­ füllung umfassendster weltlicher 
Gemeinschaftsaufgaben allgemeinste menschliche Verband bezeichnet. Den Staat soll man also daran er­ kennen können, daß er die verschiedensten Aufgaben zum Zwecke des Wohlergehens seines Staatenvolkes und des Individuums über­ nimmt. Dieses Kriterium wird man je nach politischer Weltanschauung für mehr oder weniger qualifiziert halten. Der Liberale wird den Staat für die Übernahme von Gemeinschaftsaufgaben höchstens eine Poten- tialität einräumen, nicht aber geradezu ein Existenzkriterium daraus 81
        

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