Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
2
Erscheinungsjahr:
1973
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000000074/71/
warten können, daß den Frauen hierzulande immer noch das Stimm­ recht vorenthalten wird, daß Ihr Eherecht außergewöhnlich ist, und daß bisweilen auf durchaus disziplinierte Jugend-Demonstrationen mit überraschender Heftigkeit reagiert wird. Aber sie werden für Erklärung dieser Umstände und Zustände plädieren können, die in der immer noch festverwurzelten bäuerlichen Tradition dieses Landes begründet sind. Die Uberlieferung einer konservativen Agrargesell- schaft verschwindet nicht so schnell wie die Kuh von der Straße! Dafür kann man nicht nur in Oberbayern, sondern auch in den bäuerlichen Gegenden Norddeutschlands wie Westfalen, Nieder­ sachsen und Schleswig-Holstein durchaus Verständnis finden. Auf die Dauer werden wir ohne verstärkte Beziehungen auch im völkerrechtlichen Bereich nicht auskommen. Gewiß müssen die diplo­ matischen Interessen Liechtensteins in Bonn, wie in allen anderen Hauptstädten außer Bern, weiterhin von der Schweiz wahrgenommen werden; die Kleinheit des Landes erlaubt nicht den Luxus eines eigenen diplomatischen Dienstes, den schon etwas größere Länder wie Luxemburg, Malta und Island sich nur mit gewaltigen Anstren­ gungen leisten können. Aber auf die Gefahr hin, daß Sie diese Ver­ gleiche nicht mehr hören wollen, muß ich nochmals auf Monaco und San Marino hinweisen, wenn ich das Bedauern äußere, daß Liechten­ stein bisher im Gegensatz zu diesen Staaten auch auf Honorarkonsuln verzichtet hat. Wahlkonsuln, die ja Bürger des Empfangsstaats sind, kosten bekannt­ lich den Entsendestaat nichts, aber sie können ihm vieles einbringen — Information, wirtschaftliche und kulturelle Beziehungen, touristi­ sche Propaganda (vernünftiger Art!) und persönliche, unschätzbare Kontaktpflege. Solche Konsuln — und wenn es für den Anfang nur einer wäre — sind nicht nur für die Liechtenstein-Werbung in Deutschland nützlich. Sie können ebenso den Liechtensteinern in der Bundesrepublik, die es ja in nicht geringer Zahl gibt, Orientierungs­ hilfe und Unterstützung bieten. Das wiederum dürfte das Selbst­ bewußtsein dieser Liechtensteiner, ihre Kenntnis von deutschen Ver­ hältnissen und ihre allgemeine Beweglichkeit im Ausland fördern, und sie wären dann nicht mehr allein auf die schweizerischen Ver­ tretungen angewiesen. Wenn im Zuge der Gegenseitigkeit dann auch ein Liechtensteiner in seinem Land als deutscher Wahlkonsul residieren würde, so könnte das — mit umgekehrten Vorzeichen — nur von Nutzen sein. So meine ich insgesamt, daß Liechtenstein seine internationale Repräsentanz auch in Deutschland nicht allein dem Fürstenhaus, dem Sport und der Philatelie überlassen sollte. Es benötigt Menschen und 73
        

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