Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
2
Erscheinungsjahr:
1973
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000000074/57/
zugunsten Österreichs, das die Mobilmachung gegen Preußen bean­ tragt hatte. Die knappe Annahme dieses Antrags soll Bismarck bewogen haben, Liechtenstein für den Ausbruch des Krieges verant­ wortlich zu machen (vergleiche P. Raton, Liechtenstein / Staat und Geschichte, Vaduz 1969). Das war gewiß eine gezielte Übertreibung, die aber doch deutlich machte, auf welche Seite Liechtenstein gehörte — an einem Deutschland, das zunehmend unter preußischen Einfluß geriet, war ihm nichts gelegen. Die Kontakte zum deutschen Raum, die durch Vermittlung Öster­ reichs immerhin bestanden, wurden weiter abgebaut, als Liechten­ stein sich im Jahre 1919 aus dem politischen und wirtschaftlichen Konkurs der Mittelmächte löste und dann enge Beziehungen zum westlichen Nachbarn, der Schweiz, anknüpfte. Wiederum ist es bezeichnend, daß neben den liechtensteinischen Gesandtschaften in Wien und Bern nicht etwa eine Mission im deutschen Berlin, sondern — wenn auch nur kurze Zeit bestehend — eine solche in Prag ein­ gerichtet wurde (vergleiche Prinz Eduard von Liechtenstein, Liech­ tensteins Weg von Österreich zur Schweiz, Vaduz 1946). Liechten­ stein bewegte sich weiterhin auf der Alpen-Donau-Linie — wo nach dem alten Witzwort einerseits das Herz, andererseits das Porte­ monnaie verankert war. Inzwischen hatte sich eigenständiges Staatsbewußtsein im Lande schon vielfältig manifestiert. Die konstitutionelle Verfassung von 1862, nicht ohne Kämpfe errungen, hatte es bereits ermöglicht, daß die großen Gesetzeswerke der folgenden Zeit unter kräftiger Beteili­ gung und Mitsprache des liechtensteinischen Landtags zustande­ gekommen waren. Zu Ende des Ersten Weltkrieges waren dann die politischen Parteien entstanden, die «Liechtensteins Weg von Öster­ reich zur Schweiz» maßgeblich mitbestimmten. Die Auseinander­ setzungen in der Landespresse jener Jahre geben anschauliches Zeugnis davon, daß die Liechtensteiner «ihren» Staat gesucht und gefunden hatten. Aber die entscheidenden Bewährungsproben dieser Staats­ werdung standen noch bevor. Es waren hierzulande wie auch im damaligen Rest-Österreich viel­ leicht nicht die schlechtesten Bürger, die sich vorübergehend vom trügerischen Bild einer «großdeutschen Lösung» in den dreißiger Jahren verführen ließen. Dennoch: den Ruhm Liechtensteins, aber auch die Rechtfertigung dieses Staates erblicke ich in der Tatsache, daß dem gefährlichen großdeutschen Traum eine Absage erteilt und der nazistischen Tyrannis entschlossener Widerstand geleistet wurde. Damals, in jenen Märztagen 1939, als SA und NSKK in Feldkirch zum «Tagesausflug» nach Liechtenstein rüsteten, war wohl eines ganz 59
        

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