Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
2
Erscheinungsjahr:
1973
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000000074/51/
formaler Wahrung liechtensteinischer Souveränitätsansprüche, zusätz­ lich untergebracht wird. So regelte das Fürstentum am 29. November 1959 sein Verhältnis zur EFTA in einem separaten Protokoll, worin die Verbindlichkeit der Ubereinkunft von Stockholm für die Dauer des Zollvertrages mit der Schweiz auch für Liechtenstein vereinbart ist. Damit ist 
ein Weg aufgezeigt, der über den Zollvertrag mit der Schweiz in die europäische Einigung führt. Dieser Weg berührt zwei Problemkreise: einerseits den Zollvertrag mit der Schweiz vom 29. März 1923, anderseits das direkte Verhält­ nis eines Kleinstaates zur europäischen Gemeinschaft. Der Zollvertrag als Modell Der Zollvertrag mit der schweizerischen Eidgenossenschaft von 1923 enthält in einem kündbaren Vertrag eine Reihe von Hoheitsrechten, auf deren Ausübung Liechtenstein im Sinne eines einheitlichen Zoll- und Wirtschaftsgebietes befristet verzichtet. Liechtenstein verhandelte in den zwanziger Jahren aus einer großen wirtschaftlichen Notlage heraus, und die Schweiz selber sah im Zollvertrag ein Mittel, um einen in Not geratenen Kleinstaat zu stützen, wobei auch militärische Uber- legungen eine Rolle spielten, indem die verwundbare, strategisch be­ deutsame Position im Raum Sargans mit dem kleinen Puffer des liechtensteinischen Staatsgebietes zusätzlich abgesichert werden konnte. Im Laufe der Jahre aber hat das Leben und die Geschichte aus dem schweizerisch-liechtensteinischen Verhältnis einen Bezie­ hungsreichtum eigener Art geschaffen, der einer gängigen juristischen Definition entgeht. Wie der Zusammenschluß der europäischen Staa­ ten in einer sich abzeichnenden Gemeinschaft die, von starren natio­ nalistischen Denkformen geprägten, Anschauungen über Souveränität aufweicht und neue Konzeptionen gegenseitigen Verständnisses schafft, so ist all das im Kleinen — vorerst unter dem Zwang der Not, dann aus Einsicht und Selbstverständnis heraus — im schweize­ risch-liechtensteinischen Verhältnis vorgeformt. Der Postvertrag mit der Schweiz vom 10. November 1920 diente der UNO und der USA als Modell bei der 1950 geschaffenen Postverwaltung der Vereinten Nationen. Es wäre eine glückliche Fügung, wenn das auf Gewaltlosig- keit, auf Achtung vor Recht, auf dem Glauben an die gestaltende Kraft menschlicher Beziehung gründende schweizerisch-liechtenstei­ nische Verhältnis eine Entwicklung in Europa im kleinen vorweg nähme. Daraus folgert aber nicht, daß die jetzige Regelung der Zollvertrags­ materie mit dem Hinweis auf das gutnachbarliche Verhältnis auf Zeit 52
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.