Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
2
Erscheinungsjahr:
1973
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000000074/44/
lateralen Zentren wird m. E. in absehbarer Zeit auch Liechtenstein zwingen, dort diplomatische Vertretungen zu errichten. Heute unterhält Liechtenstein nurmehr in der Schweiz eine Botschaft. Die Schweiz ist in Liechtenstein diplomatisch nicht vertreten. Diese, auch zwischen Staaten unterschiedlicher Größenordnung — vom Sonderfall des Vatikan abgesehen — etwas merkwürdige Regelung ist aus den Anfängen her verständlich. Obwohl man mit den heutigen Informations- und Kommunikationssystemen unter Umständen über­ haupt auf Missionen im herkömmlichen Sinn verzichten könnte, geht die internationale Praxis mit der außerordentlichen Ausweitung der diplomatischen Vertretungen gerade in die entgegengesetzte Richtung. So ist die Frage erlaubt, ob sich nicht auch hier die Verhältnisse etwas geändert haben. Veröffentlichungen zufolge besitzt die Schweiz bei­ spielsweise, die 1914 zwölf Gesandtschaften unterhielt, heute über 80 Botschaften98) und ist in mehr als 12099) von den 132 UNO-Mit- gliedstaaten diplomatisch vertreten. Die diplomatische Präsenz der Schweiz ist seit dem Zweiten Weltkrieg sozusagen universell gewor­ den. Oder ein anderes Moment: waren 1926 200 Schweizer100) in Liechtenstein gemeldet, so waren Ende 1971 2619 Nur-Schweizer- bürger (ohne Doppelbürgerrecht) immatrikuliert. Das ist vergleichs­ weise mehr als die Hälfte der auf dem gesamten asiatischen Kontinent immatrikulierten Nur-Schweizer (4787)101). Wohlwissend, daß die Größe der Auslandschweizerkolonien nur eines von vielen Kriterien zur Akkreditierung eines Diplomaten darstellt, könnte ich mir den­ ken, daß eine Prüfung, was hier getan werden kann, nicht ohne Anhaltspunkte wäre, und eine Reverenz gegenüber dem kleineren Partner bedeuten würde. IV. Schluß 1. Zum Schlußteil kommend, drängt sich eine Frage auf: ist das alles nicht Anmaßung? Ist es nicht eine Anmaßung eines so Kleinen, ein Staat bleiben zu wollen? In der heutigen Welt haben die ganz Kleinen keinen Platz mehr. Ihr staatliches Existenzrecht ist verwirkt. Die s-) «Ein Blick in die Bundesverwaltung», bearbeitet von Pius Bischofberger, Solothurn 1971, S. 11. Vgl. auch statistische Angaben in NZZ vom 23. 8. 1972, Inlandausgabe Nr. 391, S. 
IJ. ") Gemäß Verzeichnis der schweizerischen Botschaften und Konsulate, Bundeskanzlei, November 1971, ist die Schweiz in 122 UNO-Mitgliedstaaten (darunter eine Vakanz in Zai're) vertreten. Nicht diplomatisch vertreten ist die Schweiz in folgenden UNO-Mitgjiedstaaten: Arabische Emirate, Bahrain, Barbados, Bhutan, Fidschi-Inseln, Guyana, Katar, Malediven, Oman, Süd-Jemen. m) Lt. Angaben der Eidg. Fremdenpolizei. Es dürfte sich um eine Richtzahl handeln. 101) Veröffentlichungen der Eidg. Fremdenpolizei («Bei den Auslandvertretungen immatrikulierte Schweizer und Liechtensteiner») vom 5. 7. 1972 sowie Bemerkungen der Eidg. Fremdenpolizei zur «Statistik über die Schweizer und Liechtensteiner im Ausland 1971» vom 5. 7. 1972. 45
        

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