Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
2
Erscheinungsjahr:
1973
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000000074/42/
Der maximalistische Ausbau der Union und ihre Weiterentwicklung hätte zur Folge, daß der Zollvertrag, bei aller Substanzminderung im industriellen Handelsbereich, auf alle übrigen Gebiete erstreckt würde, die zu einer vollen Wirtschaftsgemeinschaft gehören. Dabei wären vor allem im institutionellen Bereich neue Regelungen zu finden, die einerseits Liechtenstein verstärkte Mitsprache sicherten und anderseits, es klingt in verkürzter Formel paradox, der Schweiz die Autonomie nicht nähmen. Die Diskussionen zeigten aber, daß es ungemein schwer ist, die Interessen der Größeren und erheblich Kleineren in Partnerschaft zu lösen, ich glaube aber, es ließen sich auch hier Regelungen finden. In unserer zwischenstaatlichen Praxis indessen wurde in Einzelfällen der Weg in Richtung einer freieren Regelung beschritten. Ich erinnere an die erwähnte Entwicklung im Bereich der PTT von der ipso iure- Anwendung des Weltpostvertrages zur Vollmitgliedschaft im Welt­ postverein und zum Beitritt zur Internationalen Fernmeldeunion. Für die internationale Stellung Liechtensteins war dieser Vorgang von enormer Bedeutung, und die Stimme Liechtensteins hat der Schweiz keine Nachteile gebracht. Ich erinnere an die Evolution von der in Liechtenstein anwendbaren eidgenössischen Fabriksgesetzgebung zum autonomen (konzertierten) liechtensteinischen Arbeitsgesetz. Liech­ tenstein schickt seine eigenen Vertreter an die UNCTAD und hat das Arzneimittelübereinkommen der EFTA selbst unterzeichnet. Der zweite Weg ist freier und erlaubt es Liechtenstein, als Staat stärker in Erscheinung zu treten. Möglicherweise würde dies die Einrichtung von Schutz- und eventuell Konzertierungssystemen nahelegen, und in gewissen Bereichen könnten institutionelle Reformen zu verbesserter Partnerschaft, ohne die Schweizer Interessen zu beeinträchtigen, getroffen werden97). Solche elastische Lösungen würden dem Sich- Offenhalten der Schweiz für künftige Entwicklungen entsprechen und nichts vorwegnehmen. Bundesrat Brugger und die erfolgreichen schweizerischen Unterhändler in Brüssel wären sicher bestens in der Lage, uns hier ein Meisterkolleg über handels- und zollpolitische Regelungen für Partner unterschiedlicher Größenordnung zu halten, die den verschiedenen Teilen voll und genügend Rechnung tragen. Ich sprach von Modifikation, von Anpassung an die neuen Zeitver­ hältnisse, nicht von mehr, das sich möglicherweise als weniger erwei­ sen könnte. Denn unsere Beziehungen basieren auf breiten natürlichen Fundamenten und Vorgegebenheiten, die zu verlassen ein Abenteuer 97) Die ohnehin fortschreitende Substanzminderung des eigentlichen ZV würde ein Weiterschreiten auf diesem Wege angelegen sein lassen. 43
        

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