Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
2
Erscheinungsjahr:
1973
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000000074/18/
lieh sein könnten. Nachdem aber die Mehllieferungen aus der Schweiz unterbunden blieben, wurde die Bedeutung der wirtschaftlichen Neu­ tralität erkannt. Die «Oberrheinische Nachrichten» sprachen sich da­ für aus, daß gegenüber Österreich eine absolute Schranke aufgestellt werde. Die Ausfuhr sollte zentralisiert und eingeschränkt werden. Die Zeitung forderte das Land auf, die Pflichten als neutraler Staat über die Pflichten aus dem Zollvertrag zu stellen.9) Auch die Kenntnis von Liechtensteinern, die in Ententeländern wie Bürger des feindlichen Österreich-Ungarn behandelt worden waren, zeigte den Liechtensteinern zu Hause die Notwendigkeit, ihre Neu­ tralität und Souveränität zu betonen.10) Nach dem Zusammenbruch der Zentralmächte und unter dem Frie­ densdiktat der Sieger, nahm das Problem der Neutralität eine noch ernstere Wendung. Das Fürstentum Liechtenstein mußte versuchen, seine Souveränität zu betonen, indem es bewies, daß die Neutralität im Krieg eingehalten worden war.11) Schlußbemerkungen Die vertraglich geregelte wirtschaftliche Anlehnung des Fürstentums Liechtenstein an Österreich-Ungarn hatte im Ersten Weltkrieg nach­ teilige Folgen und machte der liechtensteinischen Bevölkerung ihre Abhängigkeit deutlich. Liechtenstein mußte mitleiden an der durch den Krieg verursachten wirtschaftlichen Lage Österreich-Ungarns. Ohne Teilnahme an der politischen Entscheidung wurde es schuldlos in das Schicksal seines Nachbarn hineingerissen. Die eigenen Möglichkeiten zur Betonung der Souveränität und Neu­ tralität aber hatte das Land nicht wahrgenommen, denn die engen Bindungen an die österreichisch-ungarische Monarchie verhinderten eine politische und wirtschaftliche Distanzierung. Das Bewußtsein für die Abhängigkeit von Österreich-Ungarn und von der österreichischen Leitung des Fürstentums wurde geschärft durch das nahe Beispiel der Schweiz. Die Neutralität hatte diesem Staat eine weitgehende wirtschaftliche Bewegungsfreiheit ermöglicht. Die Erlebnisse des Krieges förderten deshalb in Liechtenstein den Wunsch, sich aus der wirtschaftlichen Schicksalsgemeinschaft mit Österreich-Ungarn zu lösen. #) «Oberrheinische Nachrichten» Nr. 31 vom 4. 8. 1917. I0) a. a. O. Nr. 
6 vom 9. 
2. 1918 und Nr. 40 vom 28. 9. 1918. n) Die fürstliche Regierung sah sich veranlaßt, durch ein «Aide memoire» vom Mai 1919 die Be­ weise zu erbringen, daß die Neutralität eingehalten wurde. 19
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.